Dezentrale Energieversorgung und regionale Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien im ländlichen Raum

Die Energiewende ist politisch beschlossen, in der Art und Weise ihrer Umsetzung aber heftig diskutiert. Wie schnell und effizient kann sie umgesetzt, wie gerecht können und sollten die Kosten der Energiewende verteilt und wie können und müssen die Bürger beteiligt werden? Das sind nur einige Fragen, die sich in Zusammenhang mit der Energiewende stellen. Die Antworten sind zum Teil kontrovers. Denn: Die Energiewende ist mehr als ein technischer Umbruch. Sie kann vielmehr als gesellschaftlicher Wandlungsprozess verstanden werden, der durch neue Handlungsmöglichkeiten und neue Verantwortlichkeiten gekennzeichnet ist. Bürgerinnen und Bürger erhalten die Möglichkeit, diesen Prozess mitzugestalten – in ihrer Rolle als Konsumenten, aber auch in neuen oder veränderten Rollen als Energieproduzenten, Investoren und politische Akteure.
In Ostdeutschland liegt Sachsen-Anhalt gleich hinter dem Spitzenreiter Brandenburg bei der Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien. Bei der Windenergie nehmen Brandenburg und Sachsen-Anhalt im bundesdeutschen Vergleich Spitzenplätze nach Niedersachsen und vor Schleswig-Holstein ein.
Die Erneuerbaren Energien führten 2012 zu einer bundesweiten Wertschöpfung von 25,4 Milliarden Euro. Wie sehr die Menschen vor Ort profitieren hängt maßgeblich von den Rahmenbedingungen in den Städten und Gemeinden ab.
Obgleich der Ausbau der Erneuerbaren Energien, gerade auch in Sachsen-Anhalt, und die Investitionen in diesem Bereich enorme Zahlen ausweisen, sind die Kommunen als auch die Bürger vor Ort bisher an diesem Prozess zu wenig beteiligt. Mehr noch, der schleppende Ausbau der Stromnetze sowie die aktuelle Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes rufen bei vielen Bürgern Skepsis hervor und lassen den Ausbau ins Stocken geraten. Viele empfinden die energietechnologische Umgestaltung der Landschaften als störend und machen die Förderungen der Erneuerbaren Energien verantwortlich für die steigenden Strompreise in den privaten Haushalten.
Dabei birgt der Ausbau Erneuerbarer Energien sowie die Neuregelung der Konzessionsverträge für Energienetze für die Bürger vor Ort ebenso wie für die Kommunen Möglichkeiten der Wertschöpfung und der Mitgestaltung. Bietet er doch die Chance, Energieimporte als auch Importe von Energierohstoffen durch Energiequellen aus der eigenen Region abzulösen sowie Einnahmen durch die kommunale Betreibung der Energienetze zu erzielen.
„Regionale Genossenschaftsmodelle, Beteiligungen an Unternehmen, Partizipations-möglichkeiten und Investitionen durch angesiedelte Akteure sind der Schlüssel zur Schaffung regionaler Gewinne, Einkommen sowie kommunalen Steuereinnahmen“, schlussfolgert eine Studie der Deutschen Umwelthilfe (DUH) von 2013.
Die Nachfrage nach Informationen, Wissen und praktischen Handlungsansätzen ist hoch. Immer mehr Kommunen und Bürger erkennen die Potentiale, die für sie selber im Ausbau der Erneuerbaren Energien liegen.
Gerade weil die Energiewende kein Selbstläufer ist und sie nicht bürokratisch von oben bestimmt sein darf, bedarf es für ihr Gelingen des Engagements der Bürger.
Wie können Kommunen diese Potentiale regionaler Wertschöpfung heben? Welche Schritte der Wertschöpfung müssen gegangen werden? Welche Möglichkeiten der Beteiligung und aktiven Mitgestaltung haben die Bürgerinnen und Bürger in diesem Prozess?