Dokumentarfilm D 2011, 90 min
Regie: Valentin Thurn

Die Ordnung der Vergeudung

Unter einem Lebensmittelskandal versteht man für gewöhnlich die Aufdeckung von gesundheitsschädigenden Stoffen in für unbedenklich gehaltenen Nahrungsmitteln. Einem ganz anderen Lebensmittelskandal ist der Filmemacher Valentin Thurn auf der Spur: der massenhaften Vernichtung tadelloser Nahrungsmittel. 90 Millionen Tonnen werden jährlich EU-weit weggeworfen – 20 Millionen allein in Deutschland. Die Folgen dieses Skandals treffen uns nicht unmittelbar, mehr noch, sie sind Bedingung einer Konsumideologie, die auf permanenter, massenhafter Verfügbarkeit von Lebensmitteln beruht.

Die Kehrseite dieses industriell organisierten Wegwerfens und Vernichtens von Nahrung und der damit einehrgehenden Entwertung von geleisteter Arbeit und investiertem Geld ist die verheerende Auswirkung auf die Preisentwicklung auf dem Weltmarkt und damit auf die landwirtschaftlichen Strukturen in der so genannten Dritten Welt.

Sinnfällig führt der Film die Bedeutung des Begriffs „Überflussgesellschaft“ vor Augen. Einwandfreie Nahrungsmittel werden aussortiert und weggeworfen, jene, die nicht der gewünschten Norm entsprechen, werden sofort vernichtet.

Die Lebensmittelproduktion vergeudet nicht nur Unmengen von Nahrung, sie verschlingt auch riesige Mengen an Energie, Wasser und Dünger. Für die Gewährleistung des Überflusses wird Regenwald gerodet. Das alles schadet dem Klima. "Andererseits bedeutet das aber auch eine große Chance", sagt der Regisseur. "Wenn wir nur die Hälfte dessen wegwerfen würden, was wir heute essen, dann hätte das den gleichen Effekt, wie wenn wir jedes zweite Auto stilllegen würden."

Die Gewährleistung des Überflusses an Lebensmitteln ist eng mit unserer Esskultur verbunden. Thurn zeigt, wie das Konsum- und Entsorgungsverhalten jedes Einzelnen die Normen des Handels mitbestimmen, ohne aber dessen Beteiligte von ihrer Verantwortung entbinden zu wollen. Folgerichtig verweist er auf ein notwendiges Mehr an Verantwortung bei den Händlern, an Einmischung durch die Politik, an Bewusstsein beim Verbraucher.

Der Film veranschaulicht nicht nur das Ausmaß und die Ordnung der Lebensmittelverschwendung und die nötige Verantwortung, sondern verweist auch auf subversive Alternativen. Thurn montiert Impressionen aus dem US-amerikanischen Film Dive (2009), der das aus den USA stammende Dumpster Diving (Mülltauchen) zum Thema hat. Containern als Konsumverweigerung ist aber nur eine Form, die uns der Regisseur für eine verantwortungsvolle und bewusste Lebensweise abseits der Wegwerfgesellschaft vorstellt. Da wären Einzelinitiativen wie Gärten oder Imkereien in der Stadt, Lebensmittelkooperativen oder gemeinnützige Organisationen wie Slow Food oder die „Tafel“ zu nennen.

Taste The Waste ergänzt mit unserer aufgezeigten Ordnung der Vergeudung die in den letzten Jahren erschienenen Dokumentationen über Lebensmittel, die sich mit der Kehrseite der Globalisierung (We Feed The World, 2005), der Monopolisierung der Lebensmittelindustrie (Food Inc., 2008) oder der Industrialisierung der Produktion (Unser täglich Brot, 2005) bzw. der Landwirtschaft (Good Food – Bad Food, 2010) auseinandersetzten.

 

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dumpster.de