Dokumentarfilm, BRD 1980, 96 Min
Regie: Peter Krieg

Weizen als Ware und als Waffe

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Nahrungsmittelspekulation und Hunger, welchen zwischen Überfluss und Not? Diesen Fragen geht der Dokumentarfilm SEPTEMBERWEIZEN aus dem Jahr 1980 nach.

Mit einer radikalen Ästhetik und gleichsam schönen wie beunruhigenden Bildern bringt er das weltweite Geschäft mit dem Grundnahrungsmittel Weizen auf die Leinwand. Er fokussiert auf das Zusammenspiel von Geschäft und Politik und stellt heraus, dass Weizen weniger Lebensmittel als vielmehr Ware und Waffe zugleich ist.

Septemberweizen ist ein Begriff aus der Warenterminspekulation und bezeichnet einen im September fälligen Weizenkontrakt – also "Papierweizen". Vor allem um diesen Weizen geht es.
Der Film ist in sieben Kapitel gegliedert, in deren collageartigen Montagen aus Reportagen, Nachrichtenmeldungen und suggestiven Bildern „die Ordnung in Frage gestellt wird, die unsere Freiheit bestimmt“ wie ein Fernsehkritiker vom epd Kirche und Rundfunk schrieb.

Die mythische Figur des biblischen Josefs in Ägypten zieht sich wie ein roter Faden durch den Film. Seinen Ruf als Linderer einer großen Hungersnot verdankt er im Grunde einem gut organisierten Nahrungsmangel, den er selbst erst erzeugte.
In Anlehnung an Brechts Satz, dass „Hungersnöte nicht ausbrechen, sondern veranstaltet werden“, stellt Krieg anhand der Josef-Figur die politische Erzeugung und strategische Nutzung des Hungers heraus.
Seine heutige Entsprechung findet der Brechtsche Satz in der aktuellen Anklage des Schweizer Soziologen und langjährigen UN-Sonderberichterstatters für das Recht auf Nahrung Jean Ziegler: „Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet“.

Krieg sieht in den Interventionen des Staates die Geißel, die den Markt für die Farmer verzerrt, die Überlebensstrategien für die Bewohner der Dritten Welt bedroht und Weizen als Waffe missbraucht.
SEPTEMBERWEIZEN war einer der erfolgreichsten Dokumentarfilme der achtziger Jahre. Vor allem über Mundpropaganda fand er seinen Weg bis hinein in die Provinz sowie in die Schulen und hielt an einigen Spielorten sogar jahrelang den Besucherrekord.

Der 1981 mit dem Deutschen Filmpreis und dem Adolf-Grimme Preis ausgezeichnete Film von Peter Krieg hat auch 30 Jahre später kaum etwas von seiner Aktualität eingebüßt. Die Themen und die Fragen, die der Film aufwirft, sind nach wie vor aktuell, auch wenn Lebensmittelspekulationen, Agrarinvestitionen und -interventionen heute umfassender und bedrohlicher in die Erzeugung von Nahrung einzugreifen scheinen.


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