"Nachhaltige Kommunalentwicklung unter den Herausforderungen des demografischen Wandels"

am 10.09.09 an der Hochschule Magdeburg-Stendal

Der demografische Wandel ist ein allgegenwärtiges Thema. Die Aussichten sind prognostiziert, die Szenarien errechnet und die Folgen konstatiert. Klar ist, er lässt sich weder aufhalten noch umkehren. Er verlangt nach Lösungen, die die Folgen dieses Wandels bei seinem gleichzeitigem Fortschreiten in den Griff bekommen. Am schnellsten und umfangreichsten vollziehen sich die demografischen Veränderungen in den Neuen Bundesländern. Ihre Folgen, seit langem sicht- und spürbar, zeigen sich in einer Zunahme sozialer Gegensätze und eines gesellschaftlichen Konfliktpotentials. Demografische Probleme ziehen unweigerlich wirtschaftliche Probleme nach sich und schränken damit auch die Handlungsmöglichkeiten der Kommunen ein. Der Handlungsdruck sowie das Bedürfnis nach geeigneten Antworten ist dementsprechend in den ostdeutschen Kommunen am größten.
Insgesamt hat eine Sensibilisierung in bezug auf die Folgen des demografischen Wandels stattgefunden. So wird darauf orientiert, eine „übergeordnete Perspektive“ in den Blick zu nehmen, alle beteiligten Akteure einzubeziehen, den zeitlichen Rahmen weiter zu fassen sowie über Kreisgrenzen hinaus zu denken und zu kooperieren.

Unter dem Stichwort „Region schafft Zukunft“ wird unter der Federführung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung auf eine Doppelstrategie aus „Gegensteuern“ und „Anpassung“ gesetzt. Modellregionen sollen unter diesem Ansatz dazu beitragen, „demografische Handlungskonzepte“ abzuleiten.

Kritiker stellen diesem Ansatz des „Gegensteuerns“ und der „Anpassung“ die Orientierung auf eine „radikale Modernisierung“ entgegen. Statt Symptome zu mildern, sollten neue Dynamiken befördert werden, statt an alten ‚Rezepten’ so lange wie möglich fest zu halten, neue sozioökonomische Entwicklungen unterstützt werden.

Periphere Räume, denen sich keine klassischen Wachstumsprognosen entlocken lassen, könnten aber auch als Chance begriffen werden, meinen andere. Neue Formen des Arbeitens, Lebens und Wohnens müssten gerade hier gedacht, unterstützt und umgesetzt werden. Nicht der Einstellung von Förderungen wird damit das Wort geredet, sondern einem Überdenken des Modus des Förderns.

Neue Formen des Arbeitens, Lebens und Wohnens sind aber nicht nur geboten, um angemessen auf die Folgen des demografischen Wandels zu reagieren, sondern auch um eine nachhaltige Entwicklung zu ermöglichen. In schrumpfenden Regionen reduziert sich nicht automatisch der Flächen- und Ressourcenverbrauch, sie verursachen nicht per se weniger Kosten oder sind aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte automatisch umweltfreundlicher. Gerade deshalb ist zu fragen, wie und welche Antworten können ländliche Regionen auf die Herausforderungen des demografischen Wandels unter dem Aspekt einer nachhaltigen Entwicklung finden.

Die Vielfalt der unterschiedlichen Standortbedingungen und Besonderheiten des ländlichen Raums lassen keine allgemeingültigen Lösungen und endgültigen Antworten für eine nachhaltige Entwicklung zu. Mit dem Zuschnitt der Konzepte auf die Bedürfnisse der jeweiligen Gemeinden, durch Kooperation, Vernetzung und vor allem durch die aktive Mitwirkung der ansässigen Bevölkerung, zeigen viele Orte, dass Lösungen gefunden werden können. Dieses Forum möchte die unterschiedlichen Ansätze sowie Beispiele aus verschiedenen ländlichen Kommunen vorstellen und diskutieren, die den Herausforderungen des demografischen Wandels begegnen sowie Perspektiven zu einer nachhaltigen Entwicklung aufzeigen.