DAKSBAU eG – kooperative Selbsthilfe

 


DAKSBAU eG – kooperative Selbsthilfe
Humperdinckstraße 16
06844 Dessau-Roßlau
Webseite: http://www.daksbau.de

Kontakt

mailto:mail@daksbau.de
Dr. Babette Scurrell

Projektbeschreibung

Manchmal ist es dem Engagement und dem Gestaltungswillen weniger Bürger zu verdanken, die den scheinbar zwangsläufigen Niedergang eines Industriedenkmales stoppen und es durch neue Ideen wieder in das innerstädtische Leben integrieren.

Industriedenkmäler sind Zeugnisse einer vergangenen Architektur, oft mit einem direkten Nebeneinander von Arbeit und Leben. Ihre Konstruktionen stehen aber heutigen innerstädtischen Gestaltungs- und Nutzungsideen eher im Wege, ihr Zustand ist nicht selten marode und ihr Verfall wird durch die Anerkennung als Denkmal oft nur hinauszögert. Die ehemalige Eisenhandlung Koch in der Innenstadt von Dessau ist ein solches Beispiel. Seit 1997 stand sie zur Zwangsversteigerung. Das so genannte Kochhaus aus dem Gründerzeitjahr 1898, nicht zuletzt wegen seiner mit maurischen Elementen versehenen Jugendstilfassade unter Denkmalschutz gestellt, beherbergte noch bis 1997 eine Sanitärhandelsfirma.
1998 gründeten 11 Bürgerinnen und Bürger sowie ein Verein die Wohnungsgenossenschaft DAKSBAU eG (Dessauer Arbeitsgemeinschaft Kooperativer Selbsthilfe) und erwarben das Kochhaus mit insgesamt 2.700 m2 Grundstücksfläche beim dritten Zwangsversteigerungstermin. Noch im Herbst des gleichen Jahres begannen sie mit der Instandsetzung. Die ersten sechs Einheiten (Wohnungen, Büros, ein Atelier) konnten 1999 bezogen werden. In die Organisation, Planung, Gestaltung und auch Instandsetzung haben die Genossenschaftler viel ehrenamtliches Engagement und Eigenleistung investiert. Arbeitslose Bauhandwerker wurden über ABM in die Sanierungsarbeiten eingebunden und Architektur- und Bauaufträge an regionale Firmen vergeben. Im Herbst 2001 wurde die letzte Wohnung vermietet. Entstanden sind 16 Mieteinheiten mit einer Gesamtfläche von 1155 m2 , darunter je acht Wohnungen und Büros.
Das Kochhaus ist ein gemeinschaftlicher Lebensort von Menschen, die an der Gestaltung ihrer Stadt mitwirken wollen. Die Genossenschaftler stellen Interessenten das Objekt bei Führungen vor, erläutern auf Fachtagungen Entstehungsgeschichte, Organisation und Finanzierung des Projektes, beraten bei Existenzgründungen und engagieren sich in kulturellen Projekten. So fanden bereits Theateraufführungen im Gebäudeensemble statt. Ein Hoffest lädt Neugierige, Unterstützer und Freunde jährlich zum Tag der offenen Tür ein und bietet anderen Vereinen, Kleinhändlern und Künstlern eine Plattform für ihre Anliegen und ihr Können. Nachträglich bauten die Genossenschaftler im Kochhaus in Selbsthilfe eine Regenwassernutzungsanlage und -versickerung ein. Und einige betreiben gemeinsam mit anderen Bürgern seit 2004 ein Bürgersolarkraftwerk. Von Zeit zu Zeit kommen Mieter des Kochhauses und Genossenschaftler zum „Subbotnik“ zusammen, um gemeinsam das Treppenhaus zu streichen, den Hof zu pflastern oder andere wichtige Arbeiten zu erledigen. Mittlerweile zählt die Genossenschaft 27 Mitglieder, von denen fast die Hälfte Mieter eines Büroraums oder einer Wohnung sind. Verwaltet wird die Genossenschaft ehrenamtlich.
Anfang 2003 erhielt das Kochhaus im Landeswettbewerb für beispielhafte Sanierungslösungen im Stadtumbau den 1. Preis. Das Kochhaus ist aber mehr als eine gelungene Sanierung. Die Genossenschaftler und ihre Unterstützer haben nicht nur ein denkmalgeschütztes und stilprägendes Gebäude vor dem Abriss bewahrt. Sie haben vor allem gezeigt, dass Ideen von gemeinschaftlichem Wohnen, Arbeiten und Leben sowie die Gestaltung des unmittelbaren Lebensumfeldes machbar sind. Nicht zuletzt haben sie damit einen wichtigen Beitrag und Impuls für die Entwicklung und den Umbau in der Stadt gegeben.
Das Engagement von Menschen in solchen Projekten ist es, das neue Formen des Miteinanders, des Gestaltens und Erhaltens von städtebaulicher Substanz erst möglich macht.

 

 

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Globale Nachhaltigkeitsziele

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