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Ökodorf Sieben Linden - ökologisch, sozial und global gerecht


Art des Akteurs: Privat
Projektbeginn: 1997
Beitrag aktualisiert: 18. November 2018

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Akteur

Freundeskreis Ökodorf e.V.
Sieben Linden 1
38486 Poppau
Webseite: http://siebenlinden.org/de/start/

Kontakt

mailto:verein@siebenlinden.de
Ines Lüdemann
Telefon: 039000-51235

Wie lebt man ökologisch? Und wie lebt man ökologisch in einer Gemeinschaft? Diese Fragen sind nicht neu, aber angesichts zunehmender menschengemachter Klimaveränderungen und ihrer Folgen höchst aktuell.

Im Ökodorf „Sieben Linden“ nahe Poppau versuchen ökologisch engagierte, handwerklich interessierte und politisch aktive Menschen diese Fragen zu beantworten.

Die Idee, ein zukunftsfähiges Ökodorf zu entwickeln, hatten einige Aktive schon Ende der 80er Jahre. Sie machten Pläne, sammelten Erfahrungen und suchten einen Ort, um ihre Ideen umzusetzen. Bald darauf gründeten sie in Groß Chüden in der Altmark auf einem ehemaligen Bauernhof ein Projektzentrum. Von hier gingen nicht nur verschiedene Betriebsgründungen aus, von hier aus planten sie auch das Ökodorf. 1996 erhielt die Initiative den TAT-Orte-Preis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt für die Entwicklung und Realisierung einer sozialökologischen Modell-Siedlung im ländlichen Raum. 1997 kaufte die „Siedlungsgenossenschaft Ökodorf eG“ Land in der Gemeinde Bandau in Sachsen-Anhalt und begann auf der Grundlage eines Bebauungsplans mit der Besiedlung. Heute leben im Ökodorf „Sieben Linden“ 40 Kinder und 105 Erwachsene.

„Sieben Linden“ ist aber keine Insel ökologisch alternativer Aussteiger, die sich selbst genügen. Die Bewohner verstehen ihr Dorf als ein sozial-ökologisches Modellprojekt. Sie möchten beispielgebend für eine nachhaltige Lebensweise ihre Erfahrungen und ihr Wissen anderen Interessierten zur Verfügung stellen sowie dazu ermuntern, das eigene Leben in bezug auf seine Nachhaltigkeit zu überprüfen. Deshalb bieten sie ein- oder mehrtägige Kurse an, halten Sommercamps ab, veranstalten Bauwochen und Urlaube mit Kinderbetreuung und vieles mehr (Programm unter www.siebenlinden.org. Neben den Dorfbewohnern leben immer auch einige Gäste, Dauergäste sowie sogenannte Probezeitler im Dorf. Letztere haben Interesse, in „Sieben Linden“ zu leben und absolvieren vor der Aufnahme in die Gemeinschaft und in die Siedlungsgenossenschaft eine Probezeit.

Gemeinschaft wird in Sieben Linden groß geschrieben. Entscheidungen, die die Gemeinschaft und das Dorf betreffen, beschließen die Bewohner selbstverwaltet. Es gibt verschiedene gewählte Räte, die für verschiedene Bereiche die Entscheidungen treffen, z.B. Lebensmitteleinkauf, Seminarbetrieb, Bauen, Infrastruktur, Wald und Garten, Soziales, etc. Diese Räte entscheiden jeweils im Konsens. Monatlich findet ein Plenum statt, an dem die Fragen beschlossen werden, die nicht an Räte delegiert sind. Das Plenum strebt einen Konsens an, kann aber auch it 2/3 Mehrheit entscheiden. An den gemeinschaftlichen Aufgaben wie Kochen, Heizen, Putzen, Seminarvorbereitungen etc. beteiligen sich alle entsprechend ihrer Nutzung der Gemeinschaftsräume. Grundnahrungs- und Putzmittel werden gemeinsam eingekauft. Kinder trägt die Gemeinschaft.
Ziel der Sieben Lindner sind ganzheitliche Lösungsansätze, die sich nach ihrer Meinung am ehesten in der Überschaubarkeit eines Dorfes erarbeiten lassen. So streben sie eine weitestgehende Selbstversorgung an. Fast 80% des benötigten Gemüses erwirtschaften sie auf der eigenen 2,5 Hektar großen Gartenfläche. Auf weiteren 17 Hektar Ackerland wollen sie in den nächsten Jahren Landwirtschaft betreiben. Die angestrebte Selbstversorgung erstreckt sich aber auch auf andere Bereiche: Die Häuser werden mit Holzvergaseröfen beheizt. Das nötige Holz schlagen die Sieben Lindner im ca. 85 Hektar großen Wald des Dorfes. Solaranlagen erhitzen Wasser. Photovoltaikanlagen erzeugen im Jahresdurchschnitt mehr Strom als Sieben Linden verbraucht. Eine Pflanzenkläranlage reinigt das Schmutzwasser biologisch. Und die überall benutzten Trockentoiletten sparen nicht nur Wasser, sondern liefern auch den „Rohdünger“ für die Kompostierung.

Ihr Geld verdienen die meisten Sieben Lindner im Dorf. Nur gut zehn Einwohner arbeiten angestellt außerhalb. Im Ort gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Betrieben: einen Seminarbetrieb, einen Gartenbaubetrieb, eine Obstbaumschule, ein Pferde-Fuhrbetrieb, eine Schmuckwerkstatt, eine Tischlerei und einige andere Handwerke, eine Gemeinschaftsberatung und einen Waldkindergarten. Ansonsten investieren die Bewohner viel Zeit in die Dorfgemeinschaft: In die dörflichen Planungsprozesse und die bewusste Arbeit am Miteinander in Gemeinschaft. Denn schließlich soll das Dorf in den nächsten 10 bis 20 Jahren auf 300 Einwohner anwachsen und dabei seine soziale und ökologische Qualität erhalten. Ihr Ziel bleibt ein friedliches naturnahes Miteinander, in das sich jeder individuell einbringen kann und das jedem viel kommunikative Arbeit abverlangt.

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Globale Nachhaltigkeitsziele

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