Dokumentarfilm, D 2007, 94 min.
Regie: Florian Opitz

Florian Opitz’ Film DER GROSSE AUSVERKAUF (The Big Sellout) – zu über 30 internationalen Filmfestivals eingeladen und 2009 mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet – ist eine Dokumentation über die zunehmende Privatisierung auf der ganzen Welt. Er handelt von den negativen Folgen der Privatisierung öffentlicher Dienste und gibt Augen öffnende Einblicke in das Leben der betroffenen Menschen.

Um das abstrakte Phänomen Privatisierung zu veranschaulichen, reduziert Opitz das Thema auf vier gut recherchierte, anschauliche Einzelfälle aus verschiedenen Kontinenten.

Von der Weltbank in die Slums, von der Sonntagsrede zur Alltagswelt, von Renditeziffern zu den Menschen. Opitz konfrontiert uns mit zornigen und engagierten Menschen auf vier Kontinenten, die unter einem marktwirtschaftlich organisierten Verkauf von Wasser, Strom, Gesundheit und Transporten zu leiden haben – und sich auf ihre Weise dagegen wehren.

Vier Geschichten, die nicht nacheinander, sondern geschickt ineinander verwoben erzählt werden. Zu Recht fragt man sich jedoch, warum Opitz hauptsächlich nur die eine Seite, die der Betroffenen, in seinem Film zeigt. Wer und wo sind die Entscheider solch verheerender Maßnahmen? Was sind die Gründe dafür? Wo ist der Kontrast im Film? Es sei, so Opitz bei allen Institutionen, sei es IWF, WTO oder Weltbank, unmöglich gewesen, Leute zu finden, die sich vor der Kamera für die Privatisierung aussprechen.

Den kritischen Überbau liefert Joseph E. Stiglitz, einstiger Chef-Ökonom der Weltbank, Professor und Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften. Er kommt immer wieder zwischendurch in einem New Yorker Taxi zu Wort und widerlegt die neoliberalen Gesundbeter, die immer noch mit Adam Smith daran glauben lassen wollen, im entfesselten Markt wirke eine „unsichtbare Hand“ schließlich zum Wohle aller.

Opitz zeigt die Kehrseiten zunehmender Privatisierung, in der die Staaten bisher die Lösung ihrer finanziellen Probleme sahen (bzw. immer noch sehen), ohne die Folgen für die Betroffenen abzuwägen. (s. internat. Filmlexikon)

Gut ist, dass der Film nicht einfach Opfer der Privatisierung zeigt, sondern Menschen, die sich wehren, die aktiv werden gegen die mehr oder weniger anonym verhängten Verschlechterungen der Lebensbedingungen. Das macht Mut, auch den Zuschauern des Films, die vielleicht selbst aktiv werden können. Denn die Nachteile der Privatisierung sind nicht nur in Entwicklungsländern oder Schwellenländern spürbar.

 

Zum Film

Begründung der Jury zum Adolf-Grimme-Preis 2009