Warum ökologisch korrekter Konsum die Umwelt nicht retten kann.

Armin Grunwald, oekom verlag München, 2012, 128 Seiten, 9,95 €

Endlich! Ein Buch, das das Bild vom Konsumenten korrigiert und seine Macht relativiert.

Der Konsument, so die bisherige Lesart, soll die Umwelt retten, indem er nachhaltiger konsumiert: bewusster, sparsamer, sozial verantwortlicher. Wird er sich seiner Macht bewusst, so die Annahme, zwingt er Industrie und Handel umweltfreundlichere Produkte herzustellen und anzubieten.

Umweltschützer und Ökologen sehen deshalb im Konsumenten eine Ressource, die es zu aktivieren gilt. Werbefachleute wissen jedoch, dass das bedürfnismanipulierte Reiz-Reaktions-Schema noch nicht am Ende ist. Und Politik und Wirtschaft sehen im Konsumentenverhalten ein Alibi, um sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Statt Konsumverantwortung, so der Autor, müsse die politische Dimension der Nachhaltigkeit ins Zentrum gerückt werden. Es gehe letztlich darum, „den Kurs grundlegend zu ändern“.

Nachhaltigkeit sei dabei eine wichtige öffentliche Aufgabe, die es geradezu verbiete, auf die Konsumenten abgeschoben zu werden.

Ein Kurswechsel setzt die Veränderung der politischen Rahmenbedingungen voraus, z. B. durch eine „Besteuerung von Gütern und Dienstleistungen oder die Schaffung von Anreizsystemen”. Für die Gestaltung dieser Rahmenbedingungen sei die Politik zuständig. Und genau hier kämen die Verbraucher ins Spiel, jedoch „nicht als privat agierende Konsumenten, sondern als wichtiger Teil dieser Öffentlichkeit”.

Deshalb brauchen wir mehr zivilgesellschaftliches Engagement statt ausschließlich mehr nachhaltiges Verbraucherverhalten. Das allein reiche nicht aus, so der Physiker und Philosoph Armin Grunwald. Die wahren „Agenten des Wandels“, so der Autor, sind die Bürgerinnen und Bürger, indem sie sich politisch und gesellschaftlich für eine nachhaltige Gesellschaft einsetzen.

 

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