Was Bevölkerungsrückgang für die Versorgung ländlicher Regionen bedeutet

In der im September (09.09.2013) gemeinsam veröffentlichten Studie „Vielfalt statt Gleichwertigkeit“ stellen das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) Potsdam den gesetzlich festgeschriebenen Grundsatz der Gleichwertigkeit in Frage. Dieser Grundsatz, der die Angleichung zwischen armen und reichen Regionen leitet, sei heute angesichts der demografischen Entwicklung fehl am Platz, so der Direktor des Berlin-Instituts Reiner Klingholz.

Deshalb müsse man die Frage stellen, ob die Gleichwertigkeit innerhalb Deutschlands noch sinnvoll ist. Denn dieser Grundsatz stehe einer nachhaltigen Raumentwicklung im Weg. Er zementiere die Vorstellung davon, dass eine einheitliche Versorgung in Stadt und Land möglich sei und blockiere die dringend notwendige Entwicklung von umsetzbaren Versorgungskonzepten für dünn besiedelte Regionen.

 

Geburtenrückgang, der Wunsch nach Bildung (Studium), Arbeitsmöglichkeiten sowie eine zunehmende schlechtere Infrastruktur in ländlichen Räumen werden als Gründe angeführt, die zur Landflucht beitragen.

Die Autoren der Studie fordern deshalb angesichts der demografischen Entwicklung angepasste Raumentwicklungskonzepte: Wo nur noch wenige Personen leben und junge Menschen abwandern, lohne es sich nicht, überdimensionierte zentralisierte Abwasserentsorgungsanlagen zu betreiben, neue Straßen zu bauen oder den Linienverkehr aufrechtzuerhalten. Vielmehr müssten alternative Versorgungskonzepte her - wie etwa mobile Arztpraxen, flexible Verkehrsmittel oder Fernschulen.

„Wir müssen wohl ein paar 'heilige Kühe' schlachten - etwa die Mindestschülerzahlen, das Personenbeförderungsgesetz oder den Anschluss- und Benutzungszwang beim Abwasser“, fordert Klingholz. Nur so könnten kreative Lösungen entstehen, die die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raums dort sichern, wo es noch möglich sei, und die dazu beitragen, einen ökologischen Nutzen aus dem Bevölkerungsrückgang zu ziehen.

Zum Download der Studie