Was Bevölkerungsrückgang für die Versorgung ländlicher Regionen bedeutet

In der im September (09.09.2013) gemeinsam veröffentlichten Studie „Vielfalt statt Gleichwertigkeit“ stellen das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) Potsdam den gesetzlich festgeschriebenen Grundsatz der Gleichwertigkeit in Frage. Dieser Grundsatz, der die Angleichung zwischen armen und reichen Regionen leitet, sei heute angesichts der demografischen Entwicklung fehl am Platz, so der Direktor des Berlin-Instituts Reiner Klingholz.

Deshalb müsse man die Frage stellen, ob die Gleichwertigkeit innerhalb Deutschlands noch sinnvoll ist. Denn dieser Grundsatz stehe einer nachhaltigen Raumentwicklung im Weg. Er zementiere die Vorstellung davon, dass eine einheitliche Versorgung in Stadt und Land möglich sei und blockiere die dringend notwendige Entwicklung von umsetzbaren Versorgungskonzepten für dünn besiedelte Regionen.

Wolfgang M. Heckl, Hanser-Verlag, 2013

"The World in your hands: Packen wir's an!"
Die Industrie setzt – nach dem Motto ‚Langlebigkeit war gestern’ – auf einen zeitlich immer begrenzteren Gebrauch von Geräten. Viele Dinge sind schon kurz nach dem Kauf veraltet.
Wie können wir dieser Wegwerfkultur entkommen und lernen, Dinge wieder wertzuschätzen?
Indem wir wieder lernen zu reparieren!
Das schont nicht nur Ressourcen, sondern zeigt auch Wege zu mehr Autonomie von der Industrie auf und macht außerdem Spaß.

Wolfgang Heckl (Generaldirektor des Deutschen Museums in München) hat ein leidenschaftliches Plädoyer für eine intelligente Kultur der Reparatur geschrieben, in dem er Sinn und Möglichkeiten der Do-it-yourself-Bewegung aufzeigt.

Überall in Deutschland gibt es mittlerweile „Repair-Cafés“, in denen defekte Geräte in Besitzer-Selbst-Reparatur wieder funktionsfähig gemacht werden. Freiwillige Bastler und Experten stehen den reparaturwilligen Laien dabei zur Seite (s. Beitrag zu Repair-Cafés auf dieser Homepage).

Natürlich weiß auch Heckl, der sich als Teil der neuen Reparaturbewegung fühlt, dass nicht jeder ein begnadeter Bastler ist, der beim Anblick von Lötkolben glänzende Augen bekommt. Das muss auch nicht sein, sagt er, "Reparieren" sei ja letztlich eine Metapher für ein ganzes Bündel unterschiedlicher Maßnahmen im Umgang mit der Welt: lokal kaufen gehört dazu, tauschen, aber auch Gegenstände professionell reparieren zu lassen. Und natürlich Gegenstände zu nutzen, solange es geht.

"Die Kultur der Reparatur" ist ein praktisches Buch. Es macht Lust, etwas zu reparieren, es nimmt Anfängern die Scheu und Angst, etwas falsch zu machen.

Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG 2013
ISBN-10: 3446436782
208 Seiten, 17,90 €

Leseprobe unter www.hanser-literaturverlage.de

Beitrag ARD: Die Kultur der Reparatur - Die Wegwerfgesellschaft als Auslaufmodell

Deutschlandfunk: Reparieren macht glücklich



Raumpioniere in ländlichen Regionen
Neue Wege der Daseinsvorsorge
Faber, Kerstin/ Oswalt, Phillipp (Hg.), Verlag Spector Books, 2013

Eine Streitschrift aus Sachsen-Anhalt

Mehr Handlungsspielräume, mehr Bürgerinitiative, weniger Staat !
Das im März 2013 herausgegebene Buch sucht Antworten auf die akute Frage, wie Bürger und Politik mit der Schrumpfung im ländlichen Raum umgehen können. Es analysiert den Status quo ländlicher Regionen, skizziert Konzepte einer neuen Raumpolitik, stellt ein Dutzend Projekte aus der Praxis vor und führt hierzu eine Debatte mit Raumpionieren, Politikern, Wissenschaftlern und Künstlern. Es werden Lösungsansätze vorgestellt, die einerseits mehr Eigenverantwortlichkeit von den Bürgern und andererseits einen passenden rechtlichen Rahmen, der den Raum für die Selbstorganisation schafft, von der Politik erforderlich machen. Für drei Regionen Sachsen-Anhalts werden z.B. Szenarien im Jahr 2050 entworfen – für den Harz, Anhalt und die Altmark. „Die Szenarien sind ein Versuch, mit aufgeworfenen Themen und Fragestellungen weiterzuarbeiten, in einem größeren regionalen Kontext", so die Mitherausgeberin Kerstin Faber.

Auf der Ebene der Bundesländer sind Nachhaltigkeitsstrategien bis heute (noch) nicht flächendeckend verabschiedet und umgesetzt worden. Die verabschiedeten Strategien unterscheiden sich zudem sowohl im Hinblick auf das Themenspektrum als auch in Bezug auf ihre Bindungswirkung in den politischen und gesellschaftlichen Alltag hinein. Dem Umstand ging eine Studie des Wuppertal Instituts nach, die im Rahmen des Projektes "Nachhaltigkeitsstrategien erfolgreich entwickeln" der Bertelsmann Stiftung entstanden ist und vom NRW-Umweltministerium gefördert wurde. Die "Untersuchung von Nachhaltigkeitsstrategien in Deutschland und auf EU-Ebene" befasst sich anhand der Themenfelder "Nachhaltiges Wirtschaften", "Nachhaltige Finanzpolitik", "Bildung für nachhaltige Entwicklung", "Nachhaltige gesellschaftliche Teilhabe" und "Jugendbeteiligung" mit dem Stand der Strategieentwicklung in den einzelnen Bundesländern. Sie zeigt Best-Practice-Beispiele zu allen Themenfeldern auf, die auch in anderen Ländern einsetzbar wären.
Die Studie steht auf der Homepage der Bertelsmann Stiftung zum Download bereit.

Im Frühjahr 2013 veröffentlicht die AG Hochschule der UN-Dekade eine neue Broschüre. Unter dem Titel "Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung - Ideen zur Institutionalisierung und Implementierung" wird gezeigt, wie BNE an Hochschulen verankert werden kann. Neben Praxisbeispielen stellt die Arbeitsgruppe auch die Voraussetzungen dafür und unterschiedliche Sichtweisen auf das Thema vor. Sie können die Broschüre schon jetzt unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! kostenlos vorbestellen.

BMVBS-Studie zeigt, dass es keine einheitliche Lösungsstrategie geben kann Das „Aktionsprogramms regionale Daseinsvorsorge“ hat in 21 deutschen Modellregionen Maßnahmen der Daseinsvorsorge erprobt. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem sektorübergreifenden Arbeiten. Die anknüpfende Begleitforschung erweitert die Perspektive auf die demografischen Herausforderungen in Europa, das jeweilige nationale Problembewusstsein, das spezifische Begriffsverständnis von Daseinsvorsorge und deren Verankerung in politisch-administrativen Strukturen.

Zwischen Stabilität und demografischem Niedergang

Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, 2011

Die Studie bestätigt, was seit längerem bekannt ist:
Deutschlands Bevölkerung schrumpft und altert. Je kleiner die Orte und je weiter entfernt sie von wichtigen städtischen Zentren liegen, desto schwieriger ist ihre Lage.

Ländliche Gebiete leiden besonders unter der demografischen Entwicklung, weil es dort nicht nur an Nachwuchs mangelt, sondern auch weil insbesondere junge Menschen die Dörfer und Kleinstädte verlassen. Alte Arbeitsplätze, nicht nur in der Landwirtschaft, gehen verloren und neue entstehen überwiegend in den Metropolregionen.

Besonders dramatisch ist die Entwicklung in Ostdeutschland, wo fast zwei Drittel der ländlichen Gemeinden sogar mehr als fünf Prozent ihrer Bewohner verloren haben.

Jedoch:
Dörfer, die ein aktives soziales und kulturelles Leben aufweisen und in denen es ein starkes Gemeinschaftsgefühl gibt, haben deutlich bessere Chancen, dem  demografischen Wandel zu begegnen.